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Schlitz (psb). Gänzlich unakademisch, dafür
charmant, ironisch, witzig und unterhaltsam ging das erste Neujahrskonzert
der Landesmusikakademie Hallenburg über die Bühne, - diesmal
nicht im Gartensaal, sondern im größten Eckraum, ein Stockwerk
höher. Das Konzert war schon vorher so gut wie ausverkauft und
um die anhaltende Nachfrage zu befriedigen, wählte man den größeren,
aber schlichteren Raum.
Aber Komponistentochter Marianne Blum (Gesang)
und Marina Gajda (Klavier) erwärmten mit ihren Interpretationen
der Marlene Dietrich und Zarah Leander-Titel im Nu die etwas kühle
Atmosphäre im Saal.
In seiner Begrüßungsansprache
wies Hausherr Gerhard Becker darauf hin, dass an diesem Abend die
Reinerlöse des Getränkeverkaufs der Pause den Opfern der
Flutkatastrophe in Südostasien zugute
kommen sollen. „Das
ist das mindeste, was wir tun können“, so Becker.
Die gebürtige
Licherin Marianne Blum ist in einem Musikerhaushalt aufgewachsen
und hat die Musik im Blut. Ihre Stimme erlaubt es, in die Schlager
der 30er und 40er Jahre mal eben ein paar Koloraturpassagen einzuflechten.
Zwischen „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“, „Kann
denn Liebe Sünde sein?“ oder „Ich weiß, es
wird einmal ein Wunder geschehn“ gab es kleine rhetorische
Scharmützel,
witzige und (selbst-)ironische Dia- und Monologe und als „running
gag“ war Pianistin Marina Gajda ständig auf dem Carmen-Trip.
Sie bewies aber, wie fließend und zwanglos sich das Carmen’sche
Liebesthema in „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ einfügt.
Kleine weibliche Bosheiten wechselten mit ebensolchen
Seitenhieben auf Männer im Allgemeinen und Besonderen ab und diese ganze
Mischung sorgte für geistreiche Unterhaltung, die platte Kalauer
weitgehend vermied, kurz ein gelungener Entertainment-Abend, der
dem Niveau der Landesmusikakademie entsprach.
Wir stellen fest: damals
hatten Schlager noch Texte zum Hinhören, die tatsächlich
Gefühlslagen
ausdrückten und durchaus mit poetischen Qualitäten. Die
Melodien sind unter Berücksichtigung aller Nostalgie einfach
interessanter und intelligenter als heutige.
Das Programm „Heut
Abend lad ich mir die Liebe ein“ hatte
an diesem Abend Uraufführung. Die beiden Künstlerinnen
haben es unmittelbar zuvor während ihres einwöchigen Aufenthalts
in der Hallenburg entwickelt und geprobt. Marianne Blum, die bereits
reiche Erfahrungen mit Ensemble- und Soloauftritten und eigenen Moderationen
hat, schrieb den „Plot“, die „Duelle“ zwischen
ihr und Marina Gajda, und die heiteren Zwischentexte.
Ihre stimmlichen Qualitäten stehen ebenso außer Frage
wie das Spiel der in Fulda als Musikpädagogin lebenden Pianistin.
Das Publikum in der Hallenburg hat einen kurzweiligen Kleinkunstabend
erlebt, wie man ihn sich zum Jahresauftakt nicht schöner vorstellen
könnte.
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